Blendle & Co: Alles unter Kontrolle?

Blendle & Co: Alles unter Kontrolle?

Digitale Zeitungskioske mischen derzeit die Verlagsbranche auf. Blendle und Co. locken mit mehr Reichweite, jungen Lesern und zusätzlichen Umsätzen. Doch Verleger sind gut beraten, die neuen Vertriebsmöglichkeiten kritisch zu prüfen und sicherzustellen, dass sie die Kontrolle über ihre Inhalte und Kanäle behalten.

In der Verlagswelt ist derzeit viel in Bewegung. Nach langer Zeit des Zögerns wenden sich Verleger verstärkt Plattformen wie Facebook Instant Articles oder Blendle zu. Laut einer Studie des BDZV und der Unternehmensberatung Schickler wollen mehr als die Hälfte aller Verlage (59 Prozent) künftig diese Vermarktungsmodelle nutzen. Sie versprechen sich davon höhere Reichweiten, eine Stärkung ihrer Marke und zusätzliche Erlöse. Besonders Blendle steht seit einiger Zeit im Fokus der Aufmerksamkeit. Der digitale Zeitungskiosk ging im September 2015 in Deutschland an den Start und gewinnt derzeit immer mehr Anhänger – auf Verlags- wie auf Nutzerseite. Grund genug, sich den Anbieter einmal näher anzuschauen.

Wie funktioniert Blendle?

Blendle ist ein digitaler Zeitungskiosk. Leser können Zeitungen und Zeitschriften durchblättern, verschiedene Artikel anlesen und dann jene kaufen, die ihnen zusagen. Die Vorteile für die Nutzer sind klar: Sie können sich aus unterschiedlichen Quellen bedienen, ohne sich überall registrieren zu müssen. Dabei zahlen sie nur das, was sie wirklich lesen wollen. Bei Nichtgefallen gibt es sogar das Geld zurück. Mit dem Geschäftsmodell hat Blendle das iTunes-Prinzip auf die Verlagswelt übertragen.

Was ist so revolutionär daran?

Bisher haben sich Verlage schwer damit getan, ihre Inhalte „entbündelt“ zu verkaufen, also das Paket einer gesamten Ausgabe aufzuschnüren und die Artikel einzeln zum Kauf anzubieten. Offensichtlich haben sie nun erkannt, dass sich junge Menschen nur so dazu bewegen lassen, für journalistische Produkte im Netz zu zahlen: indem man einzelne Artikel genau dort verfügbar macht, wo sie sich bewegen und den Kauf besonders einfach und flexibel gestaltet.

Was sind die Vorteile für Verlage?

Verlagen eröffnet sich durch digitale Kioske wie Blendle ein neuer Absatzmarkt: Sie erreichen damit jene Zielgruppen, die journalistische Inhalte heute überwiegend online und mobil konsumieren. An den Einnahmen durch den Artikelverkauf werden sie bei Blendle mit 70 Prozent beteiligt. Die Preise legen die Verlage selbst fest, sie liegen pro Artikel zwischen 15 Cent und zwei Euro. Dabei sind Verlage nicht gezwungen, ihre Inhalte exklusiv über Blendle zu verbreiten, sondern können parallel auch im eigenen Newsportal angeboten werden.

Über 100 Zeitungen und Magazine nutzen die Plattform derzeit als ergänzenden Vermarktungskanal, darunter FAZ, SZ, Die Welt, Spiegel, Stern und Neon. Die große Bandbreite an teilnehmenden Verlagen zeigt, mit welcher Wucht Blendle in den Markt gestartet und wie groß der Druck auf viele Publisher inzwischen ist, mit digitalen Inhalten Geld zu verdienen.

Was sind die Risiken?

Zeitungskioske wie Blendle und Plattformen wie Facebook Instant Articles oder Google „Accelerated Mobile Pages“ bieten zwar zusätzliches Marktpotenzial, bergen aber auch Risiken. Denn es sind die Tech-Konzerne, die hier die Spielregeln bestimmen. „Die Plattformen zwingen die Inhalteanbieter in ihre Systeme, “ sagt Jan-Eric Peters, ehemaliger Chefredakteur der Zeitung „Die Welt“. Sie geben zu großen Teilen das Layout vor und bestimmten die Regeln für die Platzierung von Werbung. Medienmachern droht so eine finanzielle Abhängigkeit von den Tech-Konzernen und „optischer Einheitsbrei“, wie Daniel Bouhs auf ndr.de schreibt.

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Wie müssen sich Verleger technisch anpassen?

Um Vertriebsplattformen wie Blendle nutzen zu können, müssen die Verlage zunächst einmal ihre Inhalte technisch dafür „fit“ machen. Dazu gehört unter anderem ein API-Konzept, mit dem Inhalte auf verschiedene Plattformen und Geräte ausgespielt werden können. Mehr darüber, wie Verlage sich für den Content-Vertrieb der Zukunft rüsten sollten, in diesem Blogpost.

Die täglich wachsende Zahl an Kanälen macht es zudem nötig, in qualifizierte Mitarbeiter zu investieren: In jene, die dafür sorgen, dass die Schnittstelle zwischen Redaktionssystem und Digitalkiosk reibungslos funktioniert, und in andere, die Verantwortung übernehmen für das Management und Handling der unterschiedlichen Kanäle.

Kann man das Management der Kanäle outsourcen?

Content-Dienstleister wie die Contiago AG unterstützen Verlage dabei, die für ihre Branche und Zielgruppe passende Vermarktungsstrategie zu entwickeln. Zudem bietet Contiago eine Plattform, über die sich eine Vielzahl an Kanäle gleichzeitig bespielen lässt: Verlage können darüber ihre Inhalte einerseits an die Contiago-Abonnenten – das sind Unternehmen, Verbände, Netzwerke, die für ihre Website hochwertigen Content benötigen – ausliefern. Andererseits können sie direkt aus dem System eigene Content Shops erstellen und auch andere Plattformen beliefern. Das erleichtert das technische Handling der steigenden Zahl an Distributionsplattformen enorm und gibt dem Publisher ein Stück Selbstbestimmung zurück. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist, dass die Verlage jederzeit flexibel bleiben: Kommen neue Plattformen hinzu, können diese über die Contiago Schnittstelle automatisch beliefert werden. Erneute technische Anpassungen sind nicht nötig.

In welche Vertriebskanäle sollten Verlage investieren?

Auf die Frage, welches das passende Geschäftsmodell ist, um sich zu finanzieren, gibt es keine allgemeingültige Antwort. Klassische Nachrichtenportale wie Spiegel Online oder Focus Online werden sicher auch weiterhin auf Onlinewerbung setzen – wobei sich diese angesichts von Adblockern und technischen Neuheiten verändern wird. Printzeitungen haben es dagegen zunehmend schwerer, Anzeigenkunden zu werben. Erfolgreich werden jene sein, die verschiedene Ansätze kombinieren: Paywalls bzw. Content-Shops auf der eigenen Website, digitale Kioske wie Blendle, Distributionsplattformen wie Facebook Instant Articles und B2B-Plattformen wie Contiago. Um auch für neue Kanäle gerüstet zu sein, empfiehlt sich dabei die Zusammenarbeit mit Dienstleistern, die das Handling der Vielzahl an Kanälen und Schnittstellen übernehmen.

Quellen und weitere Infos:

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Contiago Team