Blockchain im Publishing: Zukunftsmusik oder greifbarer Nutzen für Verlage?

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Während Bitcoin den Zenit seiner Popularität überschritten hat, beginnt die Technologie dahinter für Verlage interessant zu werden. Wir werfen einen Blick auf vielversprechende Anwendungen.

Bitcoin und andere Kryptowährungen sind die bekanntesten Anwendungen für Blockchain-Technologien. Sie sind jedoch keineswegs die einzige Möglichkeit, diese Technologie einzusetzen. Es gibt eine Reihe weiterer Einsatzgebiete, die für Publisher interessanter sein könnten als die alternativen Währungen. Dabei geht es vor allem darum, Prozesse und Transaktionen transparenter und sicherer zu machen. In einer Studie haben der Weltverband der Zeitungen und Zeitungsverlage (WAN-IFRA) gemeinsam mit der Global Alliance for Media untersucht, welche Anwendungen und Potentiale Blockchain für Publisher bietet. Wir wollen im Folgenden einige herausgreifen.

Was ist Blockchain?

Eine Blockchain (englisch für Blockkette) ist eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, „Blöcke“ genannt, die mittels kryptographischer Verfahren miteinander verkettet sind. Jeder Block enthält dabei typischerweise einen kryptographisch sicheren Hash (Streuwert) des vorhergehenden Blocks, einen Zeitstempel und Transaktionsdaten. – Wikipedia

Blockchain in der Redaktion

Unveränderliche, betrugssichere Datensätze machen Finanztransaktionen sicher und transparent. Dieses Prinzip lässt sich auch für die Produktion von redaktionellen Inhalten nutzen. Etwa wenn es darum geht, die Echtheit von Texten, Dokumenten und Quellen zweifelsfrei sicherzustellen. Mithilfe der Blockchain lässt sich die komplette Historie eines Dokumentes von der Entstehung bis hin zur Verwertung lückenlos dokumentieren. Änderungen an Texten lassen sich so sehr einfach nachverfolgen.

Schutz vor Klickbetrug im Advertising

Schwarze Schafe in der Publishing- und Advertisingbranche nutzen Bots und andere Tricks, um die Anzahl der Impressionen und Klicks auf ihre Anzeigen künstlich in die Höhe zu treiben. Auf diese Weise werden Werbeeinnahmen und Statistiken manipuliert. Laut Schätzungen sind mittlerweile 20% aller Werbeeinnahmen betroffen, das Vertrauen in Online-Werbung schwindet. Blockchain kann dabei helfen, Klickbetrug zu verhindern. IBM hat dazu mit Unilever ein Pilotprogramm gestartet, bei dem die Authentizität von Impressionen und Klicks überprüft wird. Ziel der Initiative ist es, neue Standards für Online-Werbung zu etablieren.

Intelligente Verträge für Verlage

Für das Vertragswesen von Publishern bietet Blockchain ein Transaktionsprotokoll, das nicht auf monetäre Transaktionen beschränkt ist. Mit ihm lassen sich beispielsweise „intelligente Verträge“ (smart contracts) erstellen: unauslöschbare rechtliche Dokumente, deren Authentizität jederzeit sichergestellt ist und für alle Vertragsparteien im Umfeld von Verlagen transparent gemacht wird.

Blockchain für den Datenschutz

Verlage können mit Blockchain auch die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften wie der DSGVO sicherstellen. Danach müssen Verlage jederzeit in der Lage sein, über personenbezogene Daten, die sie speichern, Auskunft zu geben und sie bei Bedarf zu löschen. Durch die Verwendung eines Blockchain-Frameworks können sie lückenlos dokumentieren, welche persönlichen Daten wie verwendet und gespeichert werden und wer darauf Zugriff hat.

Blockchain für die Lizensierung von Content

Wie oben erwähnt, eignet sich Blockchain für den Schutz von geistigem Eigentum. So entwickelt beispielsweise die Associated Press gemeinsam mit dem Startup Civil eine blockchain-basierte Technologie, die es ermöglicht, Inhalte unter Einhaltung von Urheber- und Lizenzrechten an Abnehmer zu lizensieren. Der Lizenzmechanismus soll Associated Press helfen, den Weg ihrer Inhalte besser zu verfolgen.

Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt in Deutschland übrigens die Kooperation von Deutscher Presse-Agentur (dpa) und dem Content-Vermarkter Contiago: Über das Lizenzsystem von Contiago können Unternehmen Inhalte von dpa und anderen Publishern rechtssicher veröffentlichen.

Mit Unterstützung von dpa, Zeit Online, Golem und anderen entwickelt das Content-Blockchain-Projekt derzeit ein System für die Registrierung digitaler Content- und Lizenzinformationen auf einer Blockchain. Dabei soll ein Prototyp für einen “krypto-ökonomischen Lizenzhandel für die Zweitverwertung digitaler Nachrichteninhalte” entstehen. Man darf gespannt sein, wie sich dieser Bereich weiterentwickelt.

Fazit: Ansätze stecken noch in den Kinderschuhen

Es gibt viele Ideen, Einsatzbereiche und Produkte für Blockchain im Publishing. Die Technologie entwickelt sich rasant weiter. Vieles von dem, was derzeit diskutiert und erprobt wird, befindet sich jedoch noch in den Kinderschuhen: Pilotprojekte sollen herauszufinden, welche Lösungen und Produkte in der Praxis funktionieren. Verlage sollten deshalb Blockchain unbedingt im Auge behalten!

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Contiago Team