Digitalisierung @dpa: Lessons Learned für Verlage

Contiago Blog: Digitalisierung @dpa: Lessons Learned für Verlage. Bildinfo:Jacob Lund/shutterstock.com

Die Publishing-Branche ist im Umbruch, die Zeichen der Zeit stehen auf Digitalisierung. Das betrifft nicht nur Verlage, sondern auch Content-Produzenten wie die dpa. Klaus-Peter Frahm, Leiter Innovationsmanagement, erklärt im Gespräch mit Contiago, warum die Nachrichtenagentur konsequent auf Wertschöpfung von Content setzt und welche Rolle Technologien dabei spielen.

Wo geht die Reise im Publishing hin? Was bedeutet Digitalisierung für die dpa und Verlage?

Digitalisierung geschieht, wenn unsere Produkte und Inhalte der digitalen Realität gerecht werden. Klingt einfach, ist es aber natürlich nicht. Denn dafür müssen wir unsere Strukturen und Prozesse entlang der Produktentwicklung formen. Das verlangt Veränderung – auch “digitale Transformation” genannt – behutsam und in kleinen Schritten. Ich nenne das “Change by Product”, ein Prozess, dem auch die dpa sich verschrieben hat. In der Mitte steht das Produkt, gemanagt von Produktmanagern, die wir systematisch ausbilden. Insofern ist die dpa auf dem besten Wege, eine echte Produktorganisation zu werden. Das befähigt uns, Digitalisierung selbst zu gestalten., anstatt uns von ihr gestalten oder entstellen zu lassen.

Wie reagiert die dpa auf das veränderte Nutzungsverhalten der Leser? Darauf, dass Content zunehmend über digitale Medien konsumiert wird?

Neben der Frage, wie wir ein nachgefragtes Produkt entwickeln, liegt unser Fokus darauf, die Wertschöpfung von Content zu steigern und dabei noch effizienter zu werden. Technologien auf Basis künstlicher Intelligenz können dabei eine große Hilfe sein. Sie unterstützen nicht nur bei der Planung und Produktion, sondern auch bei der Nutzung und Verwertung von Content. Einfachstes Beispiel ist die automatisierte Klassifizierung von Texten für Verschlagwortungen zur besseren Auffindbarkeit von relevanten Inhalten, und für die sinnvolle Verteilung von Inhalten auf die so unterschiedlichen Zielgruppen. Außerdem bereiten wir uns darauf vor, unser Content-Angebot um maschinell erzeugte Texte erweitern zu können, z.B. in den Ressorts Sport oder Finanzen. Wir sehen hier große Potenziale für die Wertschöpfung und auch die Qualität unserer Produkte.

Welche Erfahrungen hat die dpa mit der Digitalisierung gemacht? Welche Tipps würden Sie Verlagen geben?

Wir haben immer gute Erfahrungen gemacht, wenn wir schrittweise vorgegangen sind, wenn wir unsere Produkte agil entwickelt haben. Statt langfristige Pläne zu schmieden, sollten Verlage kleine, schnelle Experimente machen und deren Erfolg oder Misserfolg messen, um zu lernen, was funktioniert und was nicht funktioniert. Nach diesem Prinzip haben beispielsweise Dumont oder die Schwäbische Zeitung in Ravensburg damit begonnen, ihre Inhalte auf Basis von Leistungskennzahlen, sogenannter Artikel-Scores, zu entwickeln. Diese Scores basieren auf gemessenen Erfahrungswerten und helfen dabei, die Resonanz auf Inhalte zu prognostizieren. Da sich eine solche datengetriebene Content-Produktion nicht von heute auf morgen umsetzen lässt, gilt auch hier das Prinzip der schrittweisen Veränderung. Damit dies funktioniert, sind drei wesentliche Voraussetzungen im Unternehmen zu schaffen:

  1. Eine wichtige Voraussetzung für agile Produktentwicklung ist, wie gesagt, dass das Produkt konsequent vom Kunden her gedacht wird: welches Problem ist zu lösen? Statt sich auf Annahmen zu stützen, muss sich der Verlag ein klares Bild vom tatsächlichen Bedarf des Kunden verschaffen. Dazu müssen Nutzungsdaten an den Schnittstellen zum Kunden systematisch erfasst und analysiert werden. Diese Daten sind in den meisten Verlagen vorhanden und müssen im Grunde nur richtig genutzt werden. Sinnvoll ist aber auch, die Leser einfach mal zu fragen, was sie von bestimmten Themen oder Ereignissen halten. Wenn man eine digitale Angebot betreibt, ist das nicht allzu schwer.
  2. Zudem braucht agile Produktentwicklung „Luft zum atmen“. Das heißt, es müssen Freiräume für das Experimentieren mit neuen Ansätzen geschaffen werden. Das betrifft zum einen das Thema Ressourcen – Personal, Technologie und Know how – und zum anderen die Fehlerkultur im Unternehmen: Wo gehobelt wird, fallen Späne. Besonders, wenn verschiedene Disziplinen im Verlag zusammenwirken, die vorher nie wirklich zusammengearbeitet haben.
  3. Was mich zur dritten wichtigen Voraussetzung für agile Produktentwicklung bringt: Im Produktmanagement müssen verschiedene Fachbereiche zusammenwirken. Hier ist ein Maß an Interdisziplinarität gefragt, das in vielen Verlagen so noch nicht gegeben ist. Das Produkt ist hier nicht nur Motor für Veränderung, sondern treibt auch die Integration verschiedener Funktionen und Abteilungen im Verlag voran. Auch hier gilt das Prinzip “change by product”.

Wenn sich Verlage konsequent auf die Wertschöpfung ihres Contents konzentrieren, dann werden sie doppelt profitieren: sie werden bessere Produkte für ihre Kunden schaffen und sie werden die Digitalisierung systematisch in ihrem Unternehmen vorantreiben.

 

Bild: Klaus-Peter Frahm ist Leiter Innovationsmanagement bei der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH

Klaus-Peter Frahm ist Leiter Innovationsmanagement bei der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH

 

About author View all posts Author website

Contiago Team