Blendle, Instant Articles & Co: Mehr Erfolg mit großen Partnern

Blendle, Instant Articles & Co: Mehr Erfolg mit großen Partnern

Paywalls haben bisher nicht die erhofften Erlöse für die krisengeschüttelte Verlagsbranche gebracht. Doch was ist die Alternative? Wie verkauft man seine Inhalte im digitalen Zeitalter möglichst profitabel? Dieser Artikel gibt einen Einblick in die Geschäftsmodelle verschiedener Anbieter.

Allmählich wird es eng für Verleger: Die Einnahmen aus dem Printgeschäft bröckeln weiter, für den Digitalbereich haben ist das passende Geschäftsmodell noch nicht gefunden. Doch an neuen Ansätzen zur Content-Monetarisierung mangelt es dabei nicht. Online-Kioske wie Blendle und mobile Apps wie Facebook Instant Articles versprechen den Verlagen zusätzliche Reichweiten und Umsätze, wenn sie ihre Inhalte über ihre Plattformen vertreiben. Und viele Verlage sind mittlerweile auch bereit, solche Modelle zu testen. Das zeigt die Studie des BDZV und der Unternehmensberatung Schickler:  49 Prozent aller deutschen Zeitungsverleger wollen demnach auf Content-Distributoren wie Facebook Instant Articles setzen, bei denen sie ihre Inhalte direkt über eine externe Plattform veröffentlichen. Fast genauso viele Verleger (48 Prozent) erwägen, ihre Inhalte über so genannte Content-Aggregatoren zu vertreiben, die bereits veröffentlichte Inhalte auf einer eigenen Plattform erneut anbieten. 59 Prozent sind gewillt, beide Vermarktungsmodelle zu nutzen.

Trends in der Content-Vermarktung

Abbildung: Trends in der Content-Vermarktung

Besonders im Markt der Content-Aggregatoren ist einiges in Bewegung. Hier sorgt vor allem das Unternehmen Blendle, das mittlerweile eine beachtliche Zahl an Nutzern gewonnen hat, regelmäßig für Schlagzeilen. Daneben gehen immer wieder neue Plattformen an den Start und versuchen, sich ihr Stück vom Kuchen eines Marktes mit viel Potenzial zu sichern. Wie auch immer sich die einzelnen Angebote im Detail unterscheiden, der grundlegende Ansatz ist der gleiche: Aggregatoren lizensieren bereits veröffentlichte Inhalte, selektieren und sortieren sie und bieten sie – meist kostenpflichtig – auf der eigenen Plattform erneut an.

Im Folgenden schauen wir uns einige der Anbieter etwas genauer an.

Pocketstory

Pocketstory war der erste deutsche Online-Kiosk. Er ging für seine Leser im Mai 2015 online. Der Kiosk bietet über eine zentrale Plattform einzelne Artikel aus verschiedenen Magazinen, Zeitungen und Büchern zum Kauf an. Die Mindestlänge der Artikel beträgt 5.000 Zeichen. Somit sind keine News, sondern nur längere Reportagen, Essays und Fachartikel zugänglich. Nutzer können bei Pocketstory ein Interessenprofil anlegen, um Vorschläge für Artikel zu erhalten. Pocketstory hat sich zum Ziel gesetzt, das iTunes der Verlage zu werden. Derzeit sind die „Zeit“- und die SPIEGEL-Verlagsgruppe mit an Bord, sowie die Magazine „Emotion“, „Galore“ und „Mare“. Auch der Buchverlag Campus und die „Berliner Zeitung“ kooperieren mit dem Hamburger Startup.

Blendle

Blendle ist ebenfalls eine Art digitaler Zeitungskiosk. Er ging im September 2015 mit über 100 Titeln im Angebot an den Start. Die Leser können diese wie in einem echten Kiosk kostenlos durchstöbern und anlesen. Weckt der Artikel-Teaser Lust auf mehr, können sie den Beitrag für einen geringen Geldbetrag kaufen. Bei Nichtgefallen kann man die Artikel zurückgeben und erhält sein Geld zurück. Durch die Anbindung an soziale Netzwerke und die so genannten Blendle-Alerts können sich die Leser einzelne Artikel, etwa zu bestimmten Themen, empfehlen lassen. Darüber hinaus ist es möglich, anderen Nutzern zu folgen und zu sehen, welche Stücke von diesen empfohlen werden. Für den Eigenvertrieb bietet Blendle einen Bezahl-Button, den Verleger auf ihre Websites bauen können, um einzelne Artikel oder gleich ein Abo zu verkaufen.

Newscase

Die App Newscase hat sich auf das Personalisieren von Nachrichten spezialisiert, die über Tablet und Smartphone gelesen werden. Sie aggregiert derzeit Inhalte von rund 100 Zeitungstiteln. Leser können Ressorts und Titel favorisieren, z.B. Politik von der “Welt”, Lokales vom “Kölner Stadt-Anzeiger”. Zudem lassen sich Artikel nach Themen filtern, d.h. wird ein Begriff als Stichwort festgelegt, wandern dazu passende Artikel in die persönliche Zeitung. Zu den Newscase Kooperationspartnern zählen unter anderem der Axel Springer Verlag, Gruner + Jahr, die NZZ und DuMont. Newscase kann kostenlos genutzt werden, wobei dann nur Inhalte angezeigt werden, die auch kostenlos im Internet verfügbar sind. Das werbefreie Komplettangebot kostet 9,99 € im Monat. Newscase beteiligt die Verleger an Werbeeinnahmen und vergütet pro Aufruf eines Artikels.

Xing News

Das Karriere-Netzwerk bietet die so genannten News-Seiten, auf denen Publisher ihre Artikel mit den rund 15 Millionen Mitgliedern des Netzwerks teilen können. Um diese Inhalte zu erhalten, müssen Nutzer den Seiten allerdings aktiv folgen. Sie sehen dann das Vorschaubild und einen Auszug aus der Meldung. Mit einem Klick auf den Beitrag werden Leser zum Originalartikel weitergeleitet. Parallel dazu erscheinen die Artikel in Teilen auch in den entsprechenden Branchen-Newslettern und auf den Themen-News-Seiten. Dort werden die wichtigsten Nachrichten aus bestimmten Bereichen – beispielsweise Marketing und Werbung, Internet und Technologie oder Medien – aggregiert.

 

LinkedIn Pulse

LinkedIn entwickelt sich mit der Veröffentlichung von 7.000 Fachartikeln am Tag zu einer wichtigen Plattform für Wirtschaftsjournalismus. Ähnlich wie bei XING-News wird ein Teil der Artikel von einem Redaktionsteam selbst ausgewählt. Darüber hinaus werden aber auch Inhalte berücksichtigt, die im Social-Media-Bereich beliebt sind.

Google News

Google News ist eine Nachrichten-Website, die anhand von Algorithmen Nachrichten aus verschiedenen Quellen zusammenträgt. Durch die große Reichweite der angeschlossenen Suchmaschine zählt der Dienst zu einem der wichtigsten Aggregatoren, insbesondere aus Sicht der dort gelisteten Publisher. Google News aggregiert die wichtigsten Meldungen aus über 50.000 Nachrichtenquellen in verschiedenen Kategorien sowie auf einer Übersichtsseite. Ausgespielt werden sie in der Suche unter news.google.de. Um als Publisher gelistet werden zu können, muss ein Verlag grundlegende Anforderungen an journalistische Arbeitsweise und Qualität der Inhalte erfüllen.

Apple News

Bisher nur in den USA und Großbritannien verfügbar, aggregiert die mobile News-App von Apple aktuelle Nachrichten und liefert sie passend zu den individuellen Interessen der Nutzer aus. Apple News ist derzeit in Deutschland noch nicht verfügbar, soll aber Verlagen die Möglichkeit bieten, eigene Werbung in den Inhalten zu platzieren und an den Werbeeinnahmen über iAds zu partizipieren.

Facebook Instant Articles

Facebook Instant Articles ist eine mobile App, die seit April 2016 allen Publishern offen steht. Sie können darüber komplette Artikel, Fotogalerien und Videos in Facebook veröffentlichen.  Für den mobilen Nutzer ist das äußerst komfortabel, da Inhalte schneller geladen werden, eingebettete Videos automatisch starten, und er zum Lesen eines Artikels nicht mehr in den Browser wechseln muss. Die Verlage profitieren von der enormen Reichweite, befürchten aber gleichzeitig, sich abhängig zu machen, wenn sie ihre Inhalte direkt auf dem sozialen Netzwerk veröffentlichen. Denn Facebook kann Funktionen und Regeln jederzeit nach eigenem Gutdünken ändern. Außerdem könnte der Traffic auf den Webseiten der Publishern weiter sinken, weil Leser zu Facebook abwandern. (Mehr über Facebook Instant Articles in diesem Blogbeitrag.)

Trends in der Content-Vermarktung

Die Angebote im Vergleich

Fazit

Die Zahl der Plattformen zur Content-Vermarktung wächst. Aus Sicht der Verlage lassen sich die Anbieter derzeit in zwei Gruppen unterteilen: News-Kioske wie Blendle und Pocketstory sowie die neuen Apps Facebook Instant Articles und Apple News ermöglichen Erlöse über Paywall oder Werbung. Aggregatoren wie Xing News, LinkedIn Pulse und Google News bieten dagegen keine Möglichkeit zur Monetarisierung, dafür aber interessante Reichweiten, um neue Leser zu gewinnen. Welche Art von Distribution sich auf Dauer durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Verlage sind derzeit gut beraten, beide Richtungen in ihrem Vertriebsmix zu berücksichtigen.

Quellen:

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Whitepaper „Trends in der Content-Vermarktung“, das Sie hier herunterladen können.

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Contiago Team