Personalisierung als Motor fürs Digitalgeschäft: Was Verlage von Netflix & Co. lernen können

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Auch im digitalen Zeitalter lässt sich mit journalistischen Inhalten Geld verdienen. Das zeigen führende Medienhäuser, die den Fokus klar auf Paid-Content legen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor sind dabei personalisierte Inhalte.

Schon seit Jahren sind Verlage auf der Suche nach neuen Erlösmodellen, um die Verluste aus dem Printgeschäft aufzufangen. Manche wagen sich dabei mit Online-Shops oder Akademien in Bereiche jenseits des Publishings. Andere bekennen sich klar zu ihrem Kerngeschäft, dem Journalismus, und setzen auf Paid-Content. Ihr Ziel ist es, Digital-Abos zur Hauptsäule des Geschäfts zu machen. Wie etwa Zeit Online und die New York Times, die zwar recht unterschiedliche, aber gleichermaßen erfolgreiche Paid-Content-Strategien verfolgen. Die Times konnte kürzlich die Marke von drei Millionen Digitalabonnenten knacken und beweist damit, dass man auch online mit journalistischen Inhalten Geld verdienen kann. Leserbasierte Einnahmen machen mittlerweile sogar 60 Prozent des Umsatzes der Times aus. Und auch bei anderen Zeitungsverlagen steigt der Anteil von Paid-Content am Gesamtumsatz.

Mit personalisierten Inhalten die Leserbindung steigern

Mit der wachsenden Bedeutung von Abos rückt auch das Verhältnis zwischen Lesern und Publishern in den Vordergrund. Leserbindung wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Wie aber bewegt man sein Publikum dazu, auf der eigenen Seite zu bleiben, weitere Artikel zu lesen oder gar ein Abonnement abzuschließen? Die New York Times orientiert sich an erfolgreichen Medienunternehmen wie Netflix oder Spotify, und setzt auf Personalisierung: auf der Website, in Apps und im 2018 gestarteten Newsletter. Der Nutzer erhält Artikelempfehlungen, die auf seine Interessen zugeschnitten sind. Die Inhalte dafür selektiert ein Algorithmus, der das bisherige Leseverhalten auswertet, zum Beispiel in Form von präferierten Themenbereichen, Lesezeiten oder bevorzugten Medienformen. Aber auch die Vorlieben anderer Nutzer fließen in die Auswahl mit ein.

Empfehlungsmanagement bei Axel Springer

Auch Axel Springer hat erkannt, dass personalisierte Inhalte die Grundlage für wirtschaftlich erfolgreichen digitalen Journalismus sind. Das Medienhaus setzt bei BILD, WELT und BUSINESS INSIDER ebenfalls auf  Empfehlungstechnologien, um den Leser länger auf den Nachrichtenportalen zu halten. Das System zeigt ihm Inhalte an, die stark auf seine Interessen abgestimmt sind: Artikel der eigenen Redaktionen, aber auch gesponserte Inhalte. Ziel ist es, den Leser an die Seite zu binden und ihn im Idealfall zum Abonnenten zu machen.

Empfehlungstechnologien bieten dem Unternehmen eine bedeutende Einnahmequelle und helfen uns dabei, unsere eigenen Geschichten, Markeninhalte und Abonnementsangebote zu bewerben“ – Rich Kennedy, Senior Vice President bei BUSINESS INSIDER.

Für Unternehmen mit mehreren journalistischen, digitalen Angeboten wie Axel Springer bieten Empfehlungstechnologien zudem einen weiteren Vorteil: Sie können nicht nur zu Artikeln aus der eigenen Redaktion, sondern im Sinne eines Cross-Sellings auch zu Beiträgen und Angeboten von anderen Medienmarken des Hauses verlinken – etwa von BILD zu WELT oder von WELT zu COMPUTER BILD.

Nutzer erwarten personalisierte Inhalte

Eine personalisierte Ansprache wird immer mehr zum zentralen Faktor für den Unternehmenserfolg. Dem stimmen 89 Prozent der in einer Studie von Adobe befragten Markenverantwortlichen zu. Der Grund: Durch Spotify und Netflix haben Konsumenten die Vorzüge der Personalisierung kennen und schätzen gelernt. Nun erwarten sie dies auch von anderen Anbietern. Ein Großteil wünscht sich sogar die Möglichkeit, über „Living Profiles“ selbst in die Personalisierung eingreifen und bestimmen zu können, welche Art von Informationen und Angeboten sie erhalten. Das zeigt auch eine aktuelle Studie von Accenture.

Voraussetzung für eine personalisierte Leseransprache ist, dass Daten über das Nutzerverhalten in Echtzeit verarbeitet werden können. Das ist heute dank der Fortschritte im Bereich künstlicher Intelligenz (KI) möglich. KI-basierte Anwendungen können große Datenmengen analysieren und daraus Erkenntnisse für personalisierte Kundenerlebnisse ableiten. Bis Ende 2020 wollen deshalb 93 Prozent der deutschen Konzerne diese Technologie einsetzen. Und auch die New York Times hat angekündigt, dass sie verstärkt Experten aus den Bereichen KI, Machine Learning und Data Science einstellen will, um das datengetriebene Publishing voranzutreiben. Das Ziel ist klar: Absprungraten senken, die Verweildauer steigern und mehr Digital-Abos verkaufen.

Fazit

Die Einnahmen aus Digital-Abos bilden mittlerweile eine wichtige Säule im Verlagsgeschäft. Die Strategie, beim Kerngeschäft „Journalismus“ zu bleiben und eigene Vertriebskanäle aufzubauen, geht in vielen Fällen auf. Verlage sind jedoch gut beraten, über den Tellerrand des Endkundengeschäfts hinaus zu denken. Auch der Markt der Businesskunden bietet viel Potenzial: Die gleichen redaktionellen Inhalte, die über Abos verkauft werden, lassen sich zusätzlich an Unternehmenskunden lizensieren, die diese auf eigenen Kanälen nutzen. Content-Licensing nennt sich dieses Modell, das zusätzliche Erlöse generiert.

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Contiago Team