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Digitalisierung in Verlagen: Mehr Mut, weniger Perfektionismus

Alle reden davon, doch was bewegt sich in Punkto Digitalisierung wirklich in den Verlagen? Dieser Frage ist Contiago im Gespräch mit Steffen Meier, Herausgeber des “Digital Publishing Report”, nachgegangen. Seine Diagnose: Vor allem Fachverlage sind auf einem guten Weg, während sich Publikumsverlage noch schwer tun, ihren Platz in der digitalen Welt zu finden.


Contiago:
Herr Meier, Sie verfügen über 25 Jahre Erfahrung in der Medienbranche und verfolgen intensiv die Entwicklungen in der Digitalisierung von Fach- und Publikumsverlagen. Ist Digitalisierung zu einer Phrase verkommen? Oder tut sich tatsächlich etwas in Medienhäusern?

Steffen Meier: Die Notwendigkeit, sich aktiv mit Digitalisierung auseinanderzusetzen ist Verlagsentscheidern mittlerweile bewusst geworden. Dementsprechend sind vielen Verlage in Bewegung. Allerdings erleben wir dabei – wie in jeder Branche – sehr unterschiedliche Geschwindigkeiten, was die Bereitschaft zu Veränderung angeht. Viele Verlage machen das, was Sie vor zwanzig Jahren schon in gleicher Form gemacht haben. Andere haben die Höhen und auch die Tiefen durch neue technologische Entwicklungen kennengelernt und dabei eine gewisse, durchaus “gesunde” Skepsis entwickelt. Dennoch führt für Medienunternehmen über kurz oder lang kein Weg daran vorbei, ihre Inhalte und Vertriebswege zu digitalisieren.

Man darf bei der ganzen Diskussion um Digitalisierung allerdings nicht vergessen, dass es unter den 2.200 Verlagen in Deutschland nicht DEN Verlag gibt, sondern eine große Bandbreite vom Einzel- oder Kleinunternehmen bis hin zum Großunternehmen. Deshalb sollte man nicht den Anspruch haben, eine globale Lösung beispielsweise für Automatisierung oder Standardisierung zu finden, die für alle Arten von Medienunternehmen gleichermaßen funktioniert. Digitalisierung kann also keine “Blaupause” für Innovation in Verlagen, sondern nur die nötigen Impulse und Bedingungen liefern.

 

Können Sie Beispiele für Verlage nennen, die zeigen, wie Digitalisierung erfolgreich umgesetzt werden kann?

Digitalisierung betrifft nicht nur das Produkt selbst, sondern vor allem auch die Prozesse rund um die Produktion und Vermarktung von Inhalten. Fachverlage tun sich hier traditionell leichter, da Sie – anders als Publikumsverlage – ihre Produkte immer schon für eine klar definierte Zielgruppe anbieten und entsprechend gezielt vermarkten. Erfolgreiche Beispiele für Digitalisierung sind deshalb heute eher im Bereich der Fachverlage zu finden, was aber nicht bedeutet, dass Publikumsverlage untätig sind.

Verlage, die sich auf Fachinformationen spezialisiert haben, gehen neue Wege, indem Sie Ihre Inhalte nicht nur auf klassischen Wegen anbieten, sondern beispielsweise Unternehmen gezielt mit Content-Dienstleitungen unterstützen. Andere Verlage bieten unterschiedliche Formate für ihre Inhalte wie etwa Veranstaltungen oder Webinare an. Verlage wie dtv oder Murmann Publishers haben als dritten Weg die Vermittlung von Autoren und Referenten gewählt. Damit eröffnen Sie ihren “Lieferanten” neue Geschäftsfelder, was für Verlage zunächst einmal ungewohnt ist. Denn auf diese Weise verlassen sie die klassische Wertschöpfungskette vom Autor, der Inhalte liefert über den Verlag, der Inhalte vermarktet. Ähnlich positionieren sich Verlage wie Haufe, Vogel Business oder auch die Zeitschrift Impulse heute zunehmend als Netzwerkplattformen.

 

Wie verdienen Verlage künftig Geld?

Ob ein Verlag auch in der Zukunft Geld mit seinen Inhalten verdienen wird, hängt vor allem davon ab, welche Produktstrategie dahinter steckt. Hier ist das Business Development gefordert, die passenden Produkte zu entwickeln, die einen konkreten Bedarf beim Nutzer bedienen. Sich allein darauf zu konzentrieren, die bisherigen Produkte über neue Kanäle zum Nutzer zu bringen, ohne dabei das Produkt anzupassen, greift zu kurz. Dennoch bleibt auch die Frage der Distribution für Verlage strategisch wichtig. Und hier insbesondere die Entscheidung, ob man Inhalte und Dienstleistungen nur auf der eigenen Plattform vertreibt oder dazu auch fremde Kanäle, beispielsweise soziale Netzwerke, nutzt. Sie bieten die Chance, eine große Reichweite für das eigene Angebot zu erzielen. Hier spielen bisherige Erfahrungen eine wichtige Rolle: So hat Facebook vielen Verlagen nicht den erhofften Verkaufserfolg gebracht und ihnen zudem auch die Hoheit über ihre Inhalte entzogen. Zudem werden Verlage auf Facebook zwar sichtbar, haben aber keinen direkten Zugang zum Nutzer, um Kundenbeziehungen aufzubauen.

Der klassische Verkauf von Inhalten im Sinne von “Paid Content” wird sich zukünftig stärker in Richtung “Paid Services” entwickeln. Aus Content-Anbietern werden Content-Dienstleister. Das setzt jedoch voraus, dass Verlage klassische Geschäftsmodelle, die auf klassischen Content-Formaten basieren überdenken und neue Formen finden, beim Leser Nutzen zu stiften.

 

Sie sind selbst Verleger und beschäftigen sich mit digitalen Themen. Welche Tipps können Sie Verlagen geben, die die Digitalisierung im eigenen Hause vorantreiben wollen?

Eine alte Regel lautet: Von zehn Startups ist maximal eines halbwegs erfolgreich. Ich würde deshalb Verlagen empfehlen, neue Ansätze im Bereich der Digitalisierung auszuprobieren, dann aber auch den Mut zu haben, Dinge, die nicht funktionieren wieder einzustellen.

Idealerweise tastet man sich bei einer Neuorientierung oder der Entwicklung eines neuen Geschäftsfeldes mit kleinen Maßnahmen schrittweise voran – ohne den Anspruch zu haben, dass alles zu 100 Prozent perfekt sein muss. Ganz im Sinne des Lean-Startup-Gedankens sollte am Anfang ein sogenanntes “Minimum Viable Product” stehen. Das ist eine Art Prototyp, der gerade so weit entwickelt ist, dass der Verlag damit Erfahrungen im Markt sammeln kann, ohne gleich ein hohes unternehmerisches Risiko einzugehen. Ein solches Vorgehen ist in meinen Augen ein wichtiger Erfolgsfaktoren bei der Digitalisierung. Hinzu kommt natürlich ein strategischer Plan, eine Roadmap für die Veränderung.

Damit Digitalisierung zum Erfolg führt, braucht es außerdem interne Veränderungen und ein entsprechendes Mindset bei den Verlagen. Wichtig ist es hier vor allem, die Innovationskultur und Unternehmensbereiche wie das Business Development zu fördern. Auch gilt es, sich bewusst zu machen, dass die Zielgruppe die Spielregeln für das Publishing bestimmt. Und hier sind nicht unbedingt immer neue Trends und Technologien gefragt. Beim Digital Publishing Report mussten wir beispielsweise feststellen, dass unsere Zielgruppe gerne “oldschool” liest, so dass wir uns entgegen aller Ideen für innovative Formate für das PDF-Format entschieden haben. Heute experimentieren wir mit weiteren Formaten wie dem Webinar.

Erfolgreich ist somit nicht immer das, was gerade angesagt ist, sondern das, was der Nutzer erwartet.

 

Über Steffen Meier

Steffen Meier ist Herausgeber des „digital publishing report“, dem digitalen Magazin für die Medienbranche. Seit Herbst 2017 ist er auch als Berater für Medienunternehmen aktiv. Er war Chefredakteur einer Stadzeitung, freier Journalist, in diversen Werbeagenturen und Softwareunternehmen tätig. Daneben baute er den digitalen Verlagsbereich eines Fachverlages auf und leitete diesen viele Jahre.

Steffen Meier

Steffen Meier

 

Weiterführende Informationen:

Digital Publishing Report
Neue Erlösmodelle für Verlage, digitalpublishingreport.de, Heft 1, 2018
Innovation in Fachverlagen: Noch viel Luft nach oben, Interview mit Katja Nettesheim

Digitale Einkaufsstadt: Wie regionale Medienhäuser die Gunst der Stunde nutzen können

Contiago Blog: Interview Regionale Plattformen - Bildquelle: William Potter/shutterstock.com

Der moderne Kunde bewegt sich permanent zwischen online und offline. Er recherchiert im Netz und kauft vor Ort ein. Für lokale Unternehmen ist es daher wichtig, online präsent zu sein. Die physische Stadt muss sich in der digitalen Welt widerspiegeln. An diesem Punkt setzen regionale Online-Plattformen an, von denen es immer mehr gibt. Verlage besitzen ideale Voraussetzung, um zum Dreh- und Angelpunkt dieser Initiativen zu werden.

Wir sprachen mit Roland Woelfel, Experte für regionale Online-Netzwerke, über Herausforderungen und Chancen der „digitalen Einkaufsstadt“ und die Rolle von Medienhäusern als Treiber der Digitalisierung.

Sie haben in Ihrer Studie 150 Online-Plattformen mit lokalem Fokus in Deutschland analysiert. Wo stehen regionale Wirtschaft, Kommunen und sonstige Akteure in Punkto Digitalisierung heute?

Die meisten haben erkannt, dass Sie sich des Themas intensiver annehmen müssen als bisher. Dabei gibt es Aktive, die schon immer vorne dabei waren, sowohl bei Unternehmen als auch bei den Kommunen. Eine Mehrheit unternimmt allerdings erst heute die ersten Gehversuche, die man nicht mal nebenbei erledigen kann. Vielmehr bedarf es sowohl in Betrieben als auch in der Verwaltung von Kommunen entsprechender Ressourcen. Letztere sind noch stark gefangen in gelernten Abläufen. Sie versuchen, Digitalisierungsthemen eher der Wirtschaft und anderen Akteuren zuzuschieben. Die größte Hürde liegt hier in der Veränderung, denn Abläufe und die interne Organisation müssen auf den Prüfstand, um Digitalisierung zu ermöglichen.

Unternehmen tun sich im Vergleich zu Kommunen leichter, weil Entscheidungen einfacher gefällt werden und Projekte schneller angeschoben werden können. Kleine Betriebe mit zwei bis drei Mitarbeiter sind in der Regel zu stark in ihr Tagesgeschäft eingebunden, als dass sie sich Digitalisierungswissen aneignen und im Laden umsetzen könnten. Solche Betriebe coachen wir nach dem Prinzip „Learning by Doing“, d.h. wir nehmen sie konkret an die Hand und zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, beispielsweise in Google zu werben. So entsteht vielfach der Appetit auf Digitalisierung. Zur Digitalisierung im Verkauf zählt natürlich auch das Thema Warenwirtschaft, wo viele Unternehmen großen Nachholbedarf haben. Denn Kunden geht es besonders um die Verfügbarkeit von Waren: „Wo bekomme ich die Produkte, die ich suche?“

Lokale Medienhäuser und Verlage tragen das Thema Digitalisierung oft zusammen mit technischen Dienstleistern oft zusammen mit technischen Dienstleistern in die Regionen. Der Zugang geschieht hier über das Kerngeschäft der Verlage, den Content, über den die Verlage ja reichlich verfügen. Zudem verfügen sie über die nötige Vertriebsstruktur und Kommunikationsbreite vor Ort. Deshalb liegt es Nahe, dass Verlage zum Dreh- und Angelpunkt von lokalen Digitalisierungsinitiativen werden.

Was hält viele regionale Akteure davon ab, die Herausforderungen einer zunehmend digitalisierten Welt anzugehen, bzw. gemeinsam aktiv zu werden?

Hier spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: fehlendes Know-how, Berührungsängste mit dem Internet aber auch ein falsches Verständnis. Denn das Internet ist ja kein Feind, sondern ein Werkzeug, das alle nutzen können. Dazu kommt häufig das Argument, dass finanzielle und personelle Ressourcen fehlen, um sich um Digitalisierungsthemen zu kümmern. Hier müssen Unternehmen lernen, insbesondere das Internet nicht nur als zusätzlichen Aufwand, sondern als Kommunikation- und Vertriebsplattform zu erkennen. Dazu ist eine Anschubinvestition nötig, die vor allem kleinere Betriebe oft scheuen. Das gilt besonders für Handwerker, deren Auftragsbücher auch ohne Internet voll sind – anders als bei Einzelhändlern, die um jeden Kunden kämpfen müssen.

Einzelhändler sehen häufig den Feind im Netz, weil sie fürchten, dass Kunden sich bei ihnen im Laden informieren und dann doch online kaufen. In der Realität ist jedoch das Gegenteil der Fall: 80 Prozent der Kunden recherchieren im Netz und 40 Prozent davon kaufen im Laden. Das Netz unterstützt also eher den lokalen Handel, als dass es ihm schadet. Dazu müssen Einzelhändler jedoch im Netz sichtbar sein, damit Kunden erfahren, wo sie die Produkte bekommen können, die sie suchen. Diesen sogenannten “Ropo-Effekt” (Ropo steht für “Research online purchase offline”) sollten Händler und Betriebe für sich nutzen.

 

“Wer etwas will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe.” – Albert Camus


Wer sind die Treiber hinter den lokalen Online-Initiativen? Welche Rolle spielen Zeitungen und Verlage dabei?

Um regionale Initiativen in Gang zu bringen, braucht es “Kümmerer”: Jemanden, der Unternehmen, Bürger und Kommunen zusammenbringt und Projekte am Laufen hält. Hier sind regionale Zeitungsverlage, Unternehmen, aber auch das Stadtmarketing oder Werbegemeinschaften sehr aktiv. Manchmal kommen Impulse auch von lokalen Startups, die ihre Ideen für regionale Netzwerke oder Plattformen vorantreiben. Kommunen sind gefordert, sich ihrer Standortverantwortung bewusst zu werden und Digitalisierung im Sinne des Standortmarketings zu fördern.

Können Sie Beispiele nennen, in denen Medienhäuser erfolgreich zum Motor für Online-Plattformen und -Initiativen geworden sind?

Da Projekte in diesem Bereich in der Regel noch recht jung sind, definiert sich der Erfolg darüber, dass Unternehmen digital sichtbar werden und einen neuen Zugang zum Kunden erhalten.  Primäres Ziel von Online-Initiativen ist es zunächst, der Konkurrenz von Amazon & Co. etwas entgegenzusetzen und Umsatzabflüsse in diese Richtung einzudämmen. Wenn das geschafft ist, kann sich Erfolg im Sinne von Umsatzsteigerungen und Absatzzahlen einstellen.

Erste Schritte in diese Richtung hat beispielsweise die Pforzheimer Zeitung mit der Online-Plattform lokalschatz.de unter dem Motto “Online bummeln, lokal kaufen” gemacht. 

Die Idee hinter der Plattform beschreibt PZ-Medien folgendermaßen:

“Lokalschatz.de funktioniert nach dem Prinzip Click & Collect. Damit kann der Endverbraucher bei seinem „Lokalschatz“ ein Produkt reservieren und entsprechend der Reservierungskonditionen in den folgenden Tagen abholen. Dadurch erhält der Kunde eine persönliche, fachkundige Beratung sowie professionellen Service von seinem lokalen Händler. Auf diese Weise findet er seinen „Lokalschatz“ und kann ihn langfristig behalten. Lokalschatz.de unterstützt auch die knapp 70 Prozent der Händler in Baden-Württemberg, die für ihre Produkte keine Online-Präsenz haben.”

Derzeit beteiligen sich 71 Akteure aus Handel und Wirtschaft mit über 470 Produkten und Angeboten an dem Projekt. Im PZ-Medienhaus sind etwa 20 Mitarbeiter mit der Betreuung der Plattform befasst. 

Welche Tipps geben Sie regionalen Akteuren, die eine Online-Plattform oder -Netzwerk ins Leben rufen wollen?

Wichtig ist ein lokales Bündnis von Akteuren, die etwas bewegen wollen. Man sollte nicht versuchen, die zu bekehren, die weit weg vom Thema Digitalisierung sind, sondern sich im Sinne von Winston Churchill auf eine “Allianz von Willigen” konzentrierten. Dazu ist es nötig, zu informieren und mit kleinen Kampagnen beispielsweise auf Facebook eine Sichtbarkeit im Netz und damit erste sichtbare Erfolge zu erreichen. Hier geht es darum, den Akteuren zu zeigen, dass es sich lohnt, aktiv zu werden. Mit diesen sogenannte “Quick wins” lassen sich dann auch im weiteren Verlauf eines Projektes die Bedenkenträger überzeugen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass man sich nicht von der Technik treiben lässt, sondern das Vorhaben immer vom Kunden her denkt und plant. Nicht selten folgen Akteure dem Angebot von technischen Anbietern und haben nicht den strategischen Blick auf die Zielsetzung und Anforderungen einer physischen Stadt. Digitale Initiativen können nur dann erfolgreich sein, wenn die physische Stadt und die digitale Stadt integriert gedacht und entwickelt werden.

 

“Nur wenn wir unsere Kommunen mit dem Blick und dem Wissen der Bürger entwickeln, werden sie von deren Identifikation und Engagement getragen.” – Roland Wölfel


Über Roland Wölfel

Geschäftsführer und Partner CIMA Beratung + Management GmbH Deutschland, Zentrales Projektmanagement im Modellprojekt Digitale Einkaufsstadt Bayern, Projektleiter Digitale Einkaufsstadt Coburg, Projektleiter Studie gemeinsam.online (Untersuchung von Online-Plattformen mit lokalem Fokus)

Roland Wölfel

Roland Wölfel

Digital Publishing: Ein neues Content-Verständnis muss her

Contiago Blog: Digital Publishing: Ein neues Content-Verständnis muss her

Die Herausforderungen, denen Verlage heute gegenüberstehen, sind komplex. Denn der Paradigmenwechsel von Print zu Online hat auf ihr Geschäft dramatische Auswirkungen: auf ihre Beziehung zu den Lesern, auf die Art der Content-Distribution, die internen Strukturen, ihre Produkte und Dienste, ihr Selbstverständnis, ja, auf ihr komplettes Geschäftsmodell. Sieben von zehn Verlagen gaben in einer Befragung von Bitkom an, dass sich durch die Digitalisierung ihr Geschäftsmodell verändert. 85 Prozent sagen, sie müssen dadurch ihre Produkte und Dienste anpassen. Wer sich nicht rechtzeitig auf diese Situation einstellt und ein neues Geschäftsmodell fürs Digitale findet, dem sagen Experten eine düstere Zukunft voraus. So ist beispielsweise Warren Buffett überzeugt, dass nur eine Handvoll Verlage den Umbruch in der Branche überleben werden. Im Folgenden gehen wir auf einige der Herausforderungen ein und zeigen auf, wie Verlage darauf reagieren können.

Digitale Content-Distribution über viele Kanäle

Zu den größten Herausforderungen, denen Verlage derzeit gegenüberstehen, zählt die Multi-Channel-Distribution. Redaktionelle Inhalte werden heute über eine Vielzahl an Kanälen verbreitet. Zum klassischen Vertrieb des Printprodukts über Einzelverkauf oder Abo sind eine Reihe digitaler Distributionswege hinzugekommen: Über die Verlagswebsite beispielsweise können Inhalte kostenlos oder als Paid-Content angeboten werden, über eine Verlags-App lassen sie sich direkt aufs Smartphone liefern. Außerdem können Nutzer den Content über Digitalkioske abonnieren oder innerhalb einer News-App in den sozialen Medien lesen. Die Content-Distribution wird somit immer komplexer. Hier die lukrativsten Kanäle zu identifizieren und Arbeitsweisen und Technologien an die digitale Distribution anzupassen, ist keine leichte Aufgabe.

Verschärfter Wettbewerb durch neue Marktteilnehmer

Mit den technischen Möglichkeiten, die durch die Digitalisierung entstanden sind, sind auch neue Akteure in den Markt getreten. Zu nennen sind hier insbesondere drei Gruppen:

  • soziale Netzwerke, die über spezielle News-Apps den Content von Verlagen verbreiten (zum Beispiel Facebook Instant Articles),
  • Digitalkioske, die Einzelartikel zum Kauf anbieten (zum Beispiel Blendle)
  • Unternehmen, die in Zeiten des Content Marketing selbst redaktionellen Content produzieren.

Diese drei Gruppen buhlen nun gemeinsam mit den Verlagen um die Aufmerksamkeit der Zielgruppen. Sie alle wollen am Geschäft mit digitalen Inhalten mitverdienen. In diesem verschärften Wettbewerb müssen sich die Verlage mit ihrem Angebot behaupten.

Alte Erlösmodelle funktionieren nicht im Digitalen

Viele Verlage verbreiten ihre Inhalte bereits auf digitalem Wege, haben aber an der grundlegenden Arbeitsweise nicht viel verändert: Inhalte werden produziert, gebündelt und anschließend dem Publikum zum Kauf angeboten. Anzeigen auf der Website sollen für weitere Einnahmen sorgen. Erlösmodelle aus dem klassischen Publishing wurden hier einfach auf den Online-Bereich übertragen. Doch so einfach funktioniert das nicht. Denn die Nutzer sind im Internet nur bedingt bereit, für redaktionelle Inhalte zu zahlen. Online-Anzeigen werden kaum akzeptiert. Und auch die Contentvermarktung über Dritte, zum Beispiel über die News-Apps der sozialen Netzwerke, führt bisher nicht zu den erhofften Erlösen, wie ein Beitrag auf pubiz.de zeigt.

Verlagen brauchen ein neues Content-Verständnis

Wie sollen Verlage dann im digitalen Zeitalter ihr Geld verdienen? Das ist die entscheidende Frage, die die Branche derzeit bewegt. Experten sind sich einig, dass vor allem jene Verlage erfolgreich sein werden, denen es gelingt, sich von alten Publishing-Denk- und Arbeitsweisen zu lösen. Jörn Fahsel, Herausgeber der Studie „Publishing 4.0 – Chancen, Anforderungen, Konzepte“, vergleicht in einem Interview mit Contiago die Situation mit der Erfindung des Automobils:

„Henry Ford wollte nicht schnellere Pferdekutschen bauen, sondern mit dem Auto eine völlig neue Form der Fortbewegung schaffen. Ähnlich sind wir im Publishing an einem Punkt, wo Verlage den Übergang vom klassischen Printprodukt hin zu einer neuen Form von digitalem Content im Sinne einer Content-Dienstleistung bewältigen müssen.“

Es geht somit um ein völlig neues Verständnis von Content selbst, aber auch von den Bedingungen, unter denen Content entsteht und unter denen er vertrieben wird.

Der Content der Zukunft ist modular und medienneutral

Verlagsinhalte gelangen heute über eine Vielzahl von Kanälen zum Leser. Um diese möglichst effizient bedienen zu können, sollten Inhalte strukturiert und vom Kanal getrennt erfasst werden. Die Grundlage dafür bilden Formate wie XML. Verlage sind gut beraten, sich damit auseinanderzusetzen und in geeignete Werkzeuge für das Content Management zu investieren. Denn nur, wenn Inhalte in einem medienneutralen Format vorliegen, ist es möglich, sie flexibel in verschieden Kanäle auszuspielen und den Prozess der Content-Distribution zu automatisieren.

Es gibt im Markt bereits einige Verlage, die Inhalt und Kanal konsequent trennen. Ein Beispiel ist der Züricher Verlag Compendio, der unterschiedlichste Lehrmittel anbietet, die auf ein und denselben Inhalten basieren. Auch auf neue Kundenanforderungen kann der Verlag so schnell reagieren. Treibende Kraft ist hier ein Management, das nicht in den klassischen Publishing-Denkweisen verhaftet ist, wie der Publishing-Experte Haeme Ulrich erklärt. Auch die notwendigen Mittel und Ressourcen stellt der Verlag bereit.

Die Relevanz des Content ist entscheidend

Es geht jedoch nicht nur um Technik. Durch die neuen Kanäle sind auch die Anforderungen an die Relevanz der Inhalte gestiegen: Entscheidend ist heute nicht, ob Content gedruckt oder digital ausgeliefert wird. Er muss für den Leser relevant sein. Ist er das nicht, lässt er sich nicht verkaufen, egal in welchem Kanal. Der Leser hat die Macht und bestimmt, welche Inhalte er wann, in welcher Form und auf welchem Endgerät konsumiert. Das ist im Grunde nichts Neues: Auch bisher hat der Leser entschieden, welche Artikel er beispielsweise in einem Fachmagazin liest und welche nicht. Der Unterschied ist nur, dass Verlage heute die technischen Möglichkeiten haben, genau zu ermitteln, was der Leser will. Und damit erwächst ein Anspruch des Lesers, auch die Inhalte zu bekommen, die zu seinen Interessen passen. Man könnte sogar sagen:

In einer Zeit, in der Content so intelligent sein kann, dass er den Bedarf des Lesers erkennt, hat der Leser Anspruch auf ein für ihn passendes Angebot.

Verlage  müssen also in der Lage sein, das Nutzerverhalten zu analysieren. Und sie müssen darüber hinaus die , sondern auch diese Insights nutzen können, um nahezu in Echtzeit neue Content-Produkte zu entwickeln. Hier kommen Themen wie „Data Mining“ und „Process Mining“ ins Spiel, mit denen sich viele Verlage bereits beschäftigen. Gleichzeitig müssen sie aber auch die nötige Bereitschaft für eine engere Zusammenarbeit mit dem Publikum entwickeln.

Geschäftsmodelle heute und morgen

Ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell unterscheidet sich somit in vielen Punkten von dem, was heute in der Branche zu finden ist:

  • Gebündelte Inhalte (Magazin, Zeitung) werden ersetzt durch Content, der sich flexibel in verschiede Kanäle ausspielen lässt.
  • Die Entwicklung der Inhalte basiert auf dem Wissen um den tatsächlichen Bedarf des Konsumenten. Diese Insights sind eine wertvolle Ressource.
  • Der Verlag wandelt sich vom Verleger zum Content-Dienstleister, der auch Unternehmen zu seinen Kunden zählt.
  • Erlösmodelle aus dem klassischen Publishing werden ergänzt um neue Geschäftsmodelle wie Content-Licensing oder den Vertrieb über Distributoren.
  • Das Publishing ist datengetrieben, was Investitionen in Bereiche wie Analytics und Content-Management erfordert.

Fazit

Welches Erlösmodell langfristig erfolgreich ist, wird sich noch zeigen. Doch fest steht schon heute: Content ist auch in unserer Umsonstwelt nicht wertlos. Im Gegenteil: Content ist zu einer Leitwährung in der Kommunikation geworden. Und es liegt in den Händen der Verlage, den Wert dieser Währung zu bestimmen und zu erhalten. Entscheidend ist, dass sie ein neues Verständnis von Content entwickeln, Prozesse und Strukturen so gestalten, dass sie flexibel auf die Anforderungen ihrer Leser reagieren können und sich als vertrauenswürdige Quelle für hochwertige Informationen positionieren.

Innovation@Publishing 2017: Keine Patentrezepte für Verlage in Sicht

Innovation@Publishing 2017

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf publizierende Unternehmen aus? Diese Frage diskutierten Anfang Dezember 2017 Experten aus Wissenschaft und Verlagswelt auf der Zukunftskonferenz Innovation@Publishing in Erlangen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Praxisberichte aus Verlagen, die die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung veranschaulichten. Die wichtigsten davon fassen wir hier zusammen.

Herausforderung 1: Paid Content

„Zeitung 4.0“, Michael Husarek, Chefredakteur bei den Nürnberger Nachrichten

Der Verlag Nürnberger Presse Druckhaus Nürnberg bringt zwei klassische Tageszeitungen heraus: die Nürnberger Nachrichten und die Nürnberger Zeitung. Die Gesamtauflage liegt bei 240.000 Exemplaren – Tendenz sinkend. In den letzten 25 Jahren hat der Verlag 100.000 Abonnenten verloren. Das Nachrichtenportal im Internet verzeichnet 800.000 Leser und 35 Millionen Klicks pro Monat. Doch daran verdient der Verlag nicht, sondern zahlt kräftig drauf. Ein Drittel des Traffics auf seinem Online-Portal generiert der Verlag über Facebook. Twitter trägt kaum zur Reichweite bei. Der Verlag testet permanent neue Produkte, wie zum Beispiel eine digitale Abendausgabe. Doch diese scheitern häufig an der mangelnden Zahlungsbereitschaft der Leser. Seit drei Jahren bietet der Verlag seinen Lesern eine News-App, die ebenfalls nicht profitabel ist.

Paid Content bietet der Verlag derzeit in zwei Formaten an: ein E-Paper der Zeitung und das digitale Magazin „Samson“, dass jedoch nur zurückhaltend angenommen wird. Für die Vermarktung der Online-Nachrichten setzt der Verlag auf einen üblichen Mix aus kostenfreien Inhalten, Freemium und harter Bezahlschranke. Die Hoffnung des Verlags liegt auf neuen Trends wie Sprachassistenten. Hier erhofft man sich über kurz oder lang eine wachsende Nachfrage nach regionalen Inhalten. Auch Themen wie autonomes Fahren oder Smart Home wecken die Hoffnung, dass das Publikum künftig durch die neuen Möglichkeiten wieder mehr Zeit in für das Konsumieren von Nachrichten aufwendet. Hier wird es für den Verlag darauf ankommen, mit Anbietern und Herstellern frühzeitig gemeinsame Lösungen zu entwickeln um sich neue Vertriebskanäle für ihre Nachrichten zu sichern.

Herausforderung 2: Digitale Geschäftsmodelle entwickeln

Chancen der Digitalisierung für Fachverlage, Dr. Gunther Schunk, Chief Communication Officer bei Vogel Business Media.

Der „Maschinenmarkt“ ist das erste und auch erfolgreichste Produkt von Vogel Business Media und zudem die weltweit auflagenstärkste Fachzeitschrift mit einer Auflage von rund sechs Millionen Lesern. Trotz der Erfolgszahlen hat der Verlag bereits vor über zehn Jahren damit begonnen, sich neu zu erfinden. Mit neuen Produkte jenseits des klassischen Printgeschäfts erwirtschaftet er heute zwei Drittel des Umsatzes. Dabei handelt es sich um Angebote in den Geschäftsfeldern Wissen (Paid Content, Data, Workflow Solutions), Agentur/B2B-Services und Media (Events). Die Produktstrategie umfasst dabei sowohl die Weiterentwicklung klassischer Produkte als auch die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle – beides über Ventures und Kooperationen mit Startups. Aus dem alten Verlagsgebäude wurde ein Media Campus. Dort, wo früher Zeitschriften geschrieben und gedruckt wurden, bietet der Verlag heute Raum für Gründer und neue Entwicklungen wie Chatbots und künstliche Intelligenz. Zentrales Ziel ist dabei, den direkten Kontakt zum Leser – eines der wichtigsten Assets von Verlagen – auch unter veränderten Bedingungen zu pflegen.

Lesetipp: Im Interview mit Contiago erläutert die die Unternehmensberaterin Katja Nettesheim, wie Fachverlage von Startups profitieren können, und gibt Tipps für die Zusammenarbeit.


Fazit

Diese drei Beispiele haben unser Bild von der Verlagswelt erneut bestätigt: Fachverlage tun sich mit der Digitalisierung offenbar leichter als Publikumsverlage. Während Vogel Business Media neue, digitale Geschäftsmodelle bereits erfolgreich umsetzt, ist es den Nürnberger Nachrichten noch nicht gelungen, sich vom klassischen Printdenken zu lösen und digitale Erlösmodelle zu finden, die den anhaltenden Leserschwund ausgleichen könnten. Hier ist es noch ein weiter Weg zu dem vom Veranstalter propagierten „Publishing 4.0“.

 

Mehr über Publishing 4.0 lesen Sie in unserem Interview mit Jörn Fahsel von der Universität Erlangen.

Innovation in Fachverlagen: Noch viel Luft nach oben

Innovation in Fachverlagen: Noch viel Luft nach oben

Die deutsche Wirtschaft verschenkt durch fehlende oder ineffiziente Kooperation mit Startups bis 2020 allein in Deutschland ein Wachstumspotenzial in Höhe von 99 Milliarden Euro, so eine Studie von Accenture. „Davon sind auch Fachverlage betroffen“, sagt die Unternehmensberaterin Katja Nettesheim. Im Interview mit Contiago erläutert sie, wie Fachverlage von Startups profitieren können und gibt Tipps für die Zusammenarbeit.

Contiago: Wo stehen Fachverlage heute, wenn es darum geht, gemeinsam mit Startups an neuen Geschäftsmodellen oder technologischen Innovationen zu arbeiten?

 
Katja Nettesheim: Im Vergleich zu anderen Mediengattungen zeigen Fachverlage eine große Neugier und Offenheit gegenüber neuen Impulsen von außen. Das ist zunächst einmal positiv. Allerdings tun sich Fachverlage oft schwer damit, Anknüpfungspunkte mit Startups zu finden. Das liegt zum einen daran, dass es weniger Startups im B2B-Bereich gibt. Die meisten Medien-Startups, die bekannt werden, kommen aus dem B2C-Umfeld, mit einigen wenigen Ausnahmen. Zudem sind die Aufgabenstellungen bei Fachverlagen oft sehr spezifisch, was das Matching zusätzlich erschwert.

In welchen Bereichen haben Fachverlage bereits von Medien-Startups profitiert?

Ganz generell profitieren Fachverlage von Medien-Startups, wenn es darum geht, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Beispielsweise: Wie kann ein Fachverlag den Wandel des Nutzerverhaltens mitgehen und damit auch Geld verdienen? Eine Möglichkeit, sich fit für solche Entwicklungen zu machen, besteht für Fachverlage darin, sich mit Startups zusammen zu tun. Entweder durch eine Kooperation oder indem sie in Startups investieren. Welche Variante man wählt, hängt ganz von der strategischen Zielsetzung des Verlages ab. Allgemein sollte die aber realistisch sein: Ein Startup kann digitales Know-How und ggf. Infrastruktur oder ein gemeinsames neues Geschäftsmodell liefern. Mit der digitalen Transformation eines Fachverlages wäre es jedoch schlicht und ergreifend überfordert. Die eigene Kultur und Strukturen zu verändern, ist Sache des Verlages.

Können Sie hierfür Beispiele nennen?

Ein Beispiel für die gelungene Symbiose von Fachverlag und digitalen Unternehmen ist der Haufe Verlag. Früher mit Schwerpunkt im Loseblatt-Geschäft macht der Verlag heute nur noch 3 Prozent seines Umsatzes mit Print. Das ist vor allem auf die Übernahme verschiedener Softwareunternehmen zurückzuführen. Entscheidend war dabei, die Veränderung weg vom Printverlag hin zu einem modernen Medienhaus auch auf Ebene der Unternehmenskultur hinzubekommen.

Ein weiteres Beispiel ist das Medienhaus Vogel Business Media, das sich über Vogel Ventures an zehn Unternehmen beteiligt hat. Darunter sind auch Content-Startups und solche, die sich mit Wissensvermittlung beschäftigen. Die Zusammenarbeit mit Startups hat auch schrittweise zu einer Veränderung des Denkens und Handels im Verlag selbst geführt. Die Zusammenarbeit mit Startups, auf welcher Ebene auch immer, regt also durchaus Veränderungen im Verlag an.

Wo geht die Reise für Fachverlage in Sachen Paid Content hin?

Bezahlte Inhalte sind seit jeher das Kerngeschäft der Fachverlage. Bei den digitalen Inhalten haben Fachverlage eine bessere Position als Publikumsverlage. Denn sie verfügen über mehr proprietären Content und sie haben weniger kostenlose Inhalte ins Netz gestellt. Insofern ist die Ausgangssituation gut. Doch häufig nutzen Verlage sie nicht so, wie sie könnten. Und zwar aus individuell unterschiedlichen Gründen: Etwa weil sie mit ersten halbherzigen Versuchen, digitalen Content zu monetarisieren, gescheitert sind und das Thema danach auf Eis gelegt haben. Oder, und das ist gar nicht selten, weil ihre Leser noch sehr auf Print eingestellt sind und den Wechsel zu digitalen Inhalten nicht mitgehen. Hier ist noch viel Luft nach oben.

Welche 5 Tipps geben Sie Verlagen, die neue Geschäfts- oder Erlösmodelle suchen und einführen wollen? 

Digitale Transformation ist eine Politik der tausend Nadelstiche. Denn dabei geht es darum, Kernbereiche eines Fachverlages zu verändern – angefangen bei einem grundlegenden Perspektivenwechsel von der Innensicht des Fachverlages hin zur Sicht des Lesers. Damit ändert sich auch die Art und Weise, wie Content gedacht und entwickelt wird.

  1. Fokus auf den Leser: Fachverlage sollten ihr gewohntes Verhalten und Denken hinterfragen, indem sie sich klarmachen, was der Leser erwartet. Das führt zu einem neuen Verständnis der Rolle des Lesers  – und in Folge auch der eigenen Rolle.
  2. Bestmögliche Lösung finden: Digitale Leser sind anspruchsvoll und nicht bereit, sich an das Angebot eines Verlages anzupassen. Vielmehr muss der Verlag sich an den Problemen seiner Leser orientieren und hierfür bestmögliche Lösungen entwickeln.
  3. Aus Kundenfeedback lernen: Nicht die Strategie, Kompetenzen oder Meinungen des Verlags dürfen darüber entscheiden, wie ein Produkt aussieht, sondern allein der Leser. Fachverlage sind gut beraten, das Feedback ihrer Leser systematisch in die Konzeption ihrer Inhalte einzubeziehen.
  4. Externe Kompetenzen nutzen: Fachverlage sollten sich die Frage „Make or Buy“ selbstkritisch stellen: Können wir digitale Kompetenzen wirklich aus eigener Kraft aufbauen oder ist es aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoller, auf Kompetenzen von Startups zurückzugreifen?
  5. Schnell starten und durchziehen! Viele Vorhaben scheitern am Zögern vor dem Start oder an Bedenken, die im Verlaufe eines Projektes aufkommen. Digitale Veränderung braucht Willen und Durchhaltevermögen – und notfalls auch die Möglichkeit zum Scheitern.

Prof. Dr. Katja Nettesheim ist Gründerin und Geschäftsführerin von _MEDIATE und unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung neuer, digitaler Geschäftsmodelle.

Prof. Dr. Katja Nettesheim, Gründerin und Geschäftsführerin von _MEDIATE

Prof. Dr. Katja Nettesheim

 

Webinar on Demand: Fachverlag 4.0 – Was sind die Erlösquellen der Zukunft?

Header Image Distributed Content

Wie Verlage mit Content Licensing in Zukunft Geld verdienen

Die Verlagsbranche ist im Umbruch. Das Digitalgeschäft kommt nicht in Schwung, die Suche nach neuen Erlösquellen gestaltet sich schwierig. Google, Facebook und Digitalkioske wie Blendle wollen sich als neue Partner positionieren, bleiben aber hinter den Erwartungen zurück. Zeit für eine nüchterne Bestandsaufnahme und eine Rückbesinnung auf die eigentliche Stärke der Verlage: ihre unangefochtene Kompetenz in Sachen Content.

In diesem Webinar stellen wir gängige und neue Geschäftsmodelle auf den Prüfstand. Was bringen Paid Content, Distributed Content & Co. wirklich? Welche Ansätze gibt es darüber hinaus, um Content heute und morgen effektiv zu monetarisieren? Ist Content Marketing das Verlags-Business der Zukunft? Und wenn ja, wer sind dann die Kunden von morgen?

Unternehmen benötigen heute schon mehr Content, als sie zu produzieren in der Lage sind. Hier tut sich für Verlage ein neuer Markt auf, indem sie Nutzungsrechte an Unternehmen lizenzieren. Wir zeigen Ihnen, wie B2B Content Licensing funktioniert und wie Sie mit geringem Aufwand und ohne Risiko in das lukrative Geschäftsfeld starten.

Themen des Webinars:

  • Paid Content, Distributed Content & Co: Erlösmodelle auf dem Prüfstand
    Welche Vor- und Nachteile bieten gängige und neue Modelle im Umsatzmix der Fachverlage?
  • Zeit zu Handeln: Fit für die Content-Vermarktung im digitalen Zeitalter
    Wie müssen Fachverlage ihr Geschäftsmodell verändern, um wettbewerbsfähig zu bleiben?
  • Geschäftsmodell Content Licensing: Wie Sie vom Content Marketing Trend profitieren
    Welche Möglichkeiten bietet das Lizenzieren von Inhalten als Ergänzung zu bestehenden Erlösquellen?
  • Contiago als Tool für Publisher: So gelingt der Einstieg ins B2B Content Licensing
    Technologie, Funktionen und Nutzung der Contiago Content Plattform

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Infografik Fachverlag 4.0 – Chancen und Risiken auf dem Weg in die Zukunft

Fachverlag 4.0 – Chancen und Risiken auf dem Weg in die Zukunft

Der Übergang von Print zu Digital stellt Fachverlage vor große Herausforderungen. Denn durch die Digitalisierung gerät vieles in Bewegung: die Beziehung zwischen Verlag und Leser, die Art der Content-Distribution, Strukturen und Prozesse im Verlag, Produkte und Dienste, Technologien und sogar das Geschäftsmodell.

Ein Geschäftsmodell im Umbruch

Das heutige Geschäftsmodell vieler Fachverlage basiert auf den Grundprinzipien des klassischen Publishings. Verlage produzieren und bündeln Inhalte und vertreiben sie an ihre Abonnenten. Neben den Einnahmen aus dem Vertrieb generiert der Verlag Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft und sonstigen Content-Dienstleistungen.

Geschäftsmodelle von morgen müssen deutlich flexibler auf die sich verändernden Anforderungen der Leser reagieren, indem sie neue Wege finden, sich in der Vielzahl von Angeboten als vertrauenswürdige Quelle für hochwertige Informationen zu behaupten. Publisher müssen sich den Anforderungen digitaler Konsumenten anpassen – beginnend bei der Planung, über die Distribution bis hin zur flexiblen Vermarktung von Inhalten.

Neues Geschäftsfeld durch Content Marketing

In Zeiten von Content Marketing und Co. treten immer mehr Unternehmen in den Wettbewerb um die Gunst der Leser ein. Zum einen als Anbieter von nutzwertigen Informationen, was sie zu Konkurrenten von Fachverlagen macht. Aber auch als Abnehmer von Fachinhalten, was für Verlage ein neues Geschäftsfeld eröffnet. Das Lizenzieren von Content an Unternehmen wird somit zukünftig eine wichtige Rolle im Erlösmix von Fachverlagen spielen.

Fachverlag-Digitale-Transformation-Infografik

Fachverlag 4.0 – Chancen und Risiken auf dem Weg in die Zukunft

Verlage entdecken einen neuen Absatzmarkt für ihre Inhalte

Inhalte Absatzmarkt

In der Diskussion um das richtige Modell zur Content-Monetarisierung haben die Verlage meist den Endkonsumenten im Blick. Doch dessen Bereitschaft, für digitale Inhalte zu zahlen, ist gering. Daher rückt nun ein anderer lukrativer Markt ins Blickfeld, welcher einen neuen Absatzmarkt für ihre Inhalte bietet: die Unternehmen.

Kaum ein Verlagskongress oder Entscheidertreffen, auf dem derzeit nicht über Content-Vermarktung diskutiert wird. Wie lassen sich redaktionelle Inhalte im digitalen Zeitalter möglichst profitabel an die Leser bringen? Das ist die alles entscheidende Frage. Denn allmählich wird es eng für die Verleger: Mit dem Printgeschäft fahren sie weiter Verluste ein, und für das Digitale ist das passende Geschäftsmodell noch nicht gefunden. So wird derzeit alles ausprobiert, was Reichweite und Erlöse verspricht: von Paywalls über Online-Kioske wie Blendle bis hin zu mobilen Apps wie Facebook Instant Articles. Doch ein wirklich profitables Modell ist bisher nicht in Sicht. Selbst Blendle, das bisher einen Hype in der Branche ausgelöst hat, bringt den Verlagen nur Cent-Beträge ein. Der Grund dafür ist, dass die Leser hierzulande erst langsam eine Bereitschaft entwickeln, für redaktionelle Inhalte im Netz zu zahlen.

Die richtige Zielgruppe im Blick?

Blendle, Facebook oder die eigene Paywall – bei der aktuellen Debatte um das passende Geschäftsmodell geht es vor allem um das „Wie“: Wie gelangen die Inhalte auf digitalem Weg an die Leser. Nicht hinterfragt wird dabei das „Wer“: Wer sind die Abnehmer der Inhalte? Die Verlage übertragen damit einfach das grundlegende und bewährte Prinzip des Verlagswesens ins digitale Zeitalter. Käufer ihrer Inhalte sind die Endkonsumenten, Unternehmen spielen vor allem als Werbetreibende eine Rolle. Diesen Zusammenhang nicht zu hinterfragen, ist jedoch fatal. Denn indem die Verlage nur auf die Konsumenten als Content-Abnehmer abzielen, verschenken sie enormes Potenzial. Sie übersehen den neuen und lukrativen Absatzmarkt der Unternehmen. Denn sie sind es, die heutzutage den größten Content-Bedarf haben.

Der Bedarf an gutem Content wächst

Unternehmen benötigen in Zeiten des Content Marketing aktuelle und nützliche Inhalte, um sich bei ihren Zielgruppen als Experten zu profilieren und Vertrauen aufzubauen. Die Mehrheit der Unternehmen verfügt allerdings nicht über die nötigen Ressourcen, um diese Inhalte selbst zu erstellen. Dies zeigt jährlich neu die Studie des Content Marketing Institutes. Demnach planen 76 Prozent aller Unternehmen, im Jahr 2016 mehr Content zu produzieren. Gleichzeitig sehen sie in der regelmäßigen Erstellung von fesselnden und vielfältigen Inhalten eine große Herausforderung.

Contiago-Blog_CMI-Studie

B2B-Handelsplattformen für digitalen Content

Fachmedien sind für Unternehmen eine beliebte Quelle für hochwertigen Content. Sie finden hier täglich fundierte Hintergrundberichte und Nachrichten, die für Ihre Zielgruppen von Nutzen sein können. Diese Inhalte können sie direkt von den Verlagen beziehen, wobei der Aufwand für den Lizenzerwerb jedoch sehr hoch ist. Spezielle Handelsplattformen wie die Contiago Content Cloud bieten daher die Möglichkeit, die Inhalte einfach zu abonnieren, so dass sie für einen bestimmten Zeitraum auf der Website oder in anderen Medien genutzt werden können.
Hier haben wir für Sie die wichtigsten Fragen zur Content-Vermarktung an Unternehmen beantwortet:

1) Wie funktioniert eine B2B-Handelsplattform für Content?

Plattformen wie Contiago sind eine Art Content-Marktplatz, auf dem Produzenten und Abnehmer von Inhalten zusammenkommen: Verlage, Redakteure, Agenturen und Blogger bieten ihre Inhalte an, Unternehmen, Verbände und Netzwerke wählen daraus die zu ihren Kunden passenden Themen aus.

2) Welche Vorteile bietet Contiago gegenüber einer Selbstvermarktung?

Über Contiago erreichen Verlage ein zahlungsbereites Publikum und können so mit vorhandenen Inhalten zusätzliche Umsätze erzielen. Dabei behalten Sie jederzeit die volle Kontrolle über ihre Inhalte, müssen sich nicht um technische Details und Lizenzverhandlungen kümmern und erhalten zudem wertvolle Informationen darüber, wie die Inhalte genutzt werden.

3) Können auch andere Plattformen angeschlossen werden?

Contiago erleichtert den Verlagen das Handling der vielen verschiedenen Distributionskanäle. Denn sie können über eine Plattform gleichzeitig mehrere Kanäle bespielen: Die Inhalte lassen sich direkt aus dem System beispielsweise in einen eigenen Shop und auch für Drittanbieter bereitstellen.

4) Wer bestimmt den Preis für die Inhalte?

Den Preis bestimmen allein die Verlage und Content-Produzenten.

5) Wie funktioniert die technische Anbindung?

Um Contiago nutzen zu können, wird das eigene Redaktionssystem über eine Schnittstelle an die Contiago-Plattform angebunden. Standardtechnologien sorgen dafür, dass die Implementierung – und auch der Datenaustausch – schnell und problemlos von statten gehen.

6) Ist das Urheberrecht gewahrt?

Die Bedingungen für die Nutzung ihrer Inhalte bestimmen die Verlage selbst. Contiago stellt durch technische Strukturen sicher, dass diese eingehalten werden und das Urheberrecht jederzeit gewahrt ist. Ihre Inhalte bleiben also jederzeit Ihre Inhalte.
Sie möchten mehr wissen über Contiago? Auf unserer Webseite finden Sie weitere Informationen. Sollten darüber hinaus noch Fragen offen geblieben sein, können Sie uns gerne auch persönlich kontaktieren – per Telefon unter +49 (0)6203 / 679 22 85 oder per E-Mail an info@contiago.de

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Die Digitalisierung hat die Verlagsbranche in zwei Lager gespalten: Die Einen haben die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt und streichen heute mit ihrem Digitalgeschäft bereits satte Gewinne ein. Die Anderen befinden sich noch immer in Schockstarre und wissen nicht, wie sie die Verluste aus dem Printgeschäft auffangen sollen. Vor allem bei kleineren Verlagen und Medienhäusern ist die Not groß. Wir zeigen in diesem Beitrag, welche internen Voraussetzungen Sie schaffen müssen, um den Anschluss nicht zu verpassen.

Digital ist weiter auf dem Vormarsch: Wie eine aktuelle Studie des BDZV zeigt, wächst das Digitalgeschäft der deutschen Verlage derzeit sowohl bei der Auflage als auch bei der Werbung stark. Für 2016 erwarten die Unternehmen beim E-Paper ein Plus von über 11 Prozent, bei der Werbung von 8 Prozent. Für das Printgeschäft werden dagegen in beiden Bereichen Rückgänge erwartet.

Beispielhaft für diese Entwicklung stehen die aktuellen Geschäftszahlen von Axel Springer: Der Medienkonzern steigerte im Jahr 2015 sowohl seinen Umsatz als auch den Gewinn deutlich. Treiber waren dabei die digitalen Produkte: Laut eines Berichts von Spiegel Online machte der Verlag deutlich mehr als die Hälfte seiner Einnahmen (62 Prozent) mit digitalen Produkten. Und auch für 2016 rechnet Axel Springer hier mit weiteren Zuwächsen.

Suche nach neuen Erlösmodellen

Während ein Teil der Verlagsbranche mit dem Digitalgeschäft bereits kräftig verdient, sieht es bei dem anderen Teil weniger rosig aus: Vor allem kleinere Medienhäuser und Verlage haben damit zu kämpfen, dass ihre Leser der gedruckten Zeitung heute digitale Geräte und Plattformen vorziehen, geschweige denn für Nachrichten bezahlen wollen. Die Einnahmen aus dem klassischen Vertrieb und der Printwerbung fallen weg, doch für den Digitalbereich gibt es noch kein passendes Geschäftsmodell, das die Verluste langfristig ausgleicht. Paywalls, mobile Apps, Zweitverwertung von Content über Online-Kioske wie Blendle und Distributionsplattformen wie Facebook Instant Articles – vieles wird derzeit ausprobiert. Doch die richtige Antwort auf die Königsfrage scheint noch nicht gefunden: Wie bringt man seine Inhalte im digitalen Zeitalter mit optimaler Reichweite möglichst rentabel unters Volk?

Schnittstellen zur digitalen Welt schaffen

Beim Ringen um das passende Geschäftsmodell versäumen es Verlage nicht selten, ihre Hausaufgaben in Sachen technischer Infrastruktur zu machen. Denn um die neuen Distributionskanäle nutzen zu können, muss sichergestellt sein, dass sich die Inhalte überhaupt auf die verschiedensten Geräte und Plattformen ausspielen lassen, über die Content heute konsumiert wird. Dreh- und Angelpunkt sind dabei entsprechende Schnittstellen, so genannte APIs, die es Marktpartnern ermöglichen, automatisiert auf Verlagsinhalte zuzugreifen. Einige große Medienhäuser, vor allem in den USA und in Großbritannien, bieten ein solches API-Konzept bereits an und ermöglichen es so, die Artikeldatenbank von außen zu durchsuchen und Inhalte abzurufen.
Für die Verlage hat dieses Modell gleich mehrere Vorteile: Werden die APIs in Apps oder Websites integriert, vergrößert das die Reichweite. Außerdem kann das Konzept zur Content-Monetarisierung beitragen, wenn der Zugriff auf die Inhalte mit Werbeeinblendung verknüpft ist. Und schließlich wird durch die API der Weg geebnet, um Verlagsinhalte auch über neue Kanäle oder Plattformen wie beispielsweise die Contiago Content Cloud zu vertreiben.

Das Gold in den Archiven effizient managen

Vorrangiges Ziel der Verlage sollte es sein, ihren Pool an qualitativ hochwertigen Inhalten sowie die Infrastruktur für den digitalen Konsum fit zu machen. Gleichzeitig muss dafür gesorgt werden, dass diese Inhalte auch möglichst effizient und effektiv genutzt werden können. Denn die Hälfte aller redaktionellen Inhalte sind länger als 2,6 Tage aktuell – und damit zu schade fürs Archiv.

Ein modernes Digital Asset Management (DAM) kann dabei unterstützen, digitale Inhalte effizient zu managen, indem es den Content zentral und medienneutral speichert, verwaltet und für eine schnelle Weiternutzung verlagsweit abrufbar macht. Die Vorteile eines DAMs für Verlage sind vielfältig, zu den wichtigsten zählen:

  • effizientere Workflows, da die Assets im Publishing-Prozess schneller aufgefunden, bearbeitet und archiviert werden können
  • eine leichtere Wiederverwertung und schnellere Integration in neue Produkte durch die medienneutrale Speicherung der Assets
  • eine bessere Auffindbarkeit durch interne und externe Nutzer und damit eine bessere Vermarktbarkeit

Bereit für den Content-Vertrieb der Zukunft

Um den digitalen Wandel zum eigenen Vorteil nutzen zu können, müssen erst die internen Voraussetzungen für den Content-Vertrieb der Zukunft geschaffen werden. Dazu gehören unter anderem ein API-Konzept, mit dem Inhalte auf verschiedene Plattformen und Geräte ausgespielt werden können, sowie ein maßgeschneidertes System für das Asset Management. Wer diese Hausaufgaben im Jahr 2016 noch immer nicht gemacht hat, für den wird es höchste Zeit. Denn wie Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, es richtig auf den Punkt bringt: „Es gibt für Medienunternehmen eigentlich nur drei Prioritäten: erstens Internet, zweitens Internet, drittens Internet.“

Quellen und weitere Infos:

Der Faktor Mensch – Hemmschwellen und Hürden in der digitalen Kommunikationskette

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Manchmal sind es die kleinen Dinge, die große Taten bremsen oder neue Technologien zum Scheitern bringen.

In unserem speziellen Fall hat es uns die Augen für die tatsächlichen Bedürfnisse des deutschen Mittelstandes und des Handels im Bezug auf das Internet geöffnet und nachhaltig das Konzept und die Programmierung von Contiago beeinflusst. Aufgrund der vielfältigen Marktanforderungen ist jedes Unternehmen nahezu verpflichtet, im Internet vertreten zu sein. Die Pflege und Aktualisierung verschlingt aber schnell Ressourcen, die sehr wenig oder gar nicht verfügbar sind. In unserem konkreten Beispiel geht es um einen sehr großen international tätigen Konzern, der mehrere Tausend – zum Teil unabhängige – Berater und Vertriebspartner beschäftigt.

Monat für Monat werden an die hundert Produkt- und Marketinginformationen in Form von Newslettern, Mails oder Datenblättern an die Partner übermittelt oder über das hauseigene Intranet bereitgestellt: Content, der den Vertrieb ankurbeln und die Vertriebspartner unterstützen soll. Aufgrund dieser Datenflut gingen wir davon aus, dass genügend Inhalt/Content vorhanden ist, um auch die Internetseiten der Vertriebspartner durch informative Texte mit Leben zu füllen. Leider wurden wir bei einer genaueren Analyse von mehreren Internetauftritten von der Realität eingeholt.

Die Seiten enthielten lediglich Informationen zum Unternehmen, die Ansicht und bestenfalls noch die Kurzvorstellung der Mitarbeiter. Aktuelle Beiträge oder informative Inhalte suchten wir vergebens. Warum ist das so? Wieso schaffen es große nationale und internationale Unternehmen nicht, die digitale Kommunikationswelt bis zum Partner vor Ort zu erweitern?

Auf Nachfrage bei den zuständigen Geschäftsführern und Inhabern zeichnete sich schnell eine klare aber nicht unerhebliche Problemstellung auf, die quer durch fast alle Branchen vorhanden ist. Den Partnern vor Ort fehlt die Zeit und das technische Know-how, um Bilder in der Größe anzupassen, Text ohne Formatierungsfehler aus PDF- oder Word- Dokumenten zu übernehmen. Zusätzlich sind diese oft vom Funktionsumfang der bereitgestellten Content-Management-Systeme überfordert.

Fazit: Wenn der Partner nicht in die Lage versetzt wird, intuitiv und mit minimalem Zeitaufwand Änderungen vorzunehmen, wird er zum digitalen Verweigerer. Produzieren Sie endverbrauchertaugliche Inhalte und stellen Sie Ihrem Partner den einfachsten Kommunikationskanal zu Verfügung. Er wird es Ihnen danken und digitale Kommunikationsmaßnahmen zukünftig tatkräftig unterstützen.