Werden Verlage jetzt zu Shop-Betreibern?

Shop-Betrieb für Verlage, Paid Content
Bildquelle: “©Robert Kneschke/Fotolia"

Content-Shops sind der neuste Trend in der Vermarktung redaktioneller Inhalte. Sie könnten den Verlagen zu neuem Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit verhelfen. Beispiele erfolgreicher Medienhäuser zeigen, wohin der Trend geht.

Paid Content war der Hype der letzten Jahre und Hoffnung vieler Verlage, in einer digitalen Welt endlich Geld mit redaktionellen Inhalten zu verdienen. Doch nach dem Hype folgte bald die Ernüchterung: Denn Leser sind hierzulande nicht bereit, für digitale Inhalte zu bezahlen: Nur etwa jeder Zehnte will für Informationen im Netz Geld ausgeben. Und wenn kein Wunder geschieht, wird sich daran auch so schnell nichts ändern. Nicht umsonst ruht die Hoffnung der Verlage daher auf neuen Distributionswegen wie etwa Instant Articles von Facebook oder Online-Kiosken wie Blendle, die Zugang zu neuen Lesern versprechen. Auch die Vermarktung von Inhalten an Unternehmen ist ein Ansatz, den viele Verlage ausprobieren, um über eine Zweit- oder Drittverwertung ihrer Inhalte Gewinne zu realisieren.

In der aktuellen Diskussion um die neuen Heilsbringer bleibt ein klassischer Ansatz im Content-Vertrieb erstaunlicherweise nahezu unbemerkt: der eigene Online-Shop. Darüber lassen sich sowohl gedruckte als auch digitale Inhalte verkaufen – ein entscheidender Vorteil gegenüber Facebook & Co., wenn es Verlagen darum geht, ihre Inhalte zu monetarisieren.

„Das Shop-Konzept löst den klassischen Vertrieb ab.“ – Gerrit Klein, Ebner Verlag

Ein Content-Shop kann entweder dazu dienen, Printinhalte zu vermarkten, oder als Marktplatz für digitale Inhalte ein Angebot für Konsumenten und Unternehmen bieten, wie die folgenden zwei Beispiele zeigen.

Content-Shop für Leser verschiedener Fachrichtungen: Ebner Verlag

Der Ebner Verlag produziert Inhalte für verschiedene Zielgruppen und Branchen, darunter freiwillige Feuerwehren, Musiker, Grafikdesigner, Drucker, Liebhaber mechanischer Luxusuhren, Steinmetze, Optiker und andere. Und das in gedruckter Form, aber auch online über mehrere Portale, Blogs und soziale Medien. Die hohe Reichweite über diese Vielzahl an Kanälen konnte der Verlag jedoch nicht in Mehrgeschäft umwandeln. Das bewog das Unternehmen dazu, einen eigenen Distributionskanal zu entwickeln.

Feuerwehr Magazin, Rettungs Magazin

Abbildung: Shop unter feuerwehrmagazin.de

Heute betreibt der Verlag für jedes seiner Produkte eine eigene E-Commerce-Plattform, die wesentliche Vorteile gegenüber dem klassischen Vertrieb bietet: Zum einen ist sie für Konsumenten fast überall und jederzeit erreichbar, was dem Kaufverhalten der Leser heutzutage entspricht. Zum anderen lässt sich jeder Shop und jedes Produkt nahtlos in die digitale Vermarktung über verschiedene Kanäle wie E-Mail-Newsletter und Social Media integrieren. Und anders als bei einer Verbreitung der Inhalte über Instant Articles & Co. behält der Verlag jederzeit die volle Kontrolle über seine Inhalte, da diese auf eigenen Plattformen veröffentlicht werden.

Lizenzierter Content-Shop für die Finanzbranche

Einen etwas anderen Ansatz haben Verlage wie der Finanzenverlag, der Weimer Verlag oder auch die Fonds News für die Vermarktung ihrer Inhalte gewählt: Sie lizenzieren kostengünstig und mit geringem Aufwand einen eigenen Online-Shop und die dazugehörige Vertriebs-App und bieten über diese Tools zusätzlich zum bestehenden Print- und Digitalgeschäft Nachrichten und Hintergrundinformationen als digitalen Content-Feed an. Unternehmen können diesen direkt in verschiedene Plattformen wie Webseite, Intranet, Newsletter und andere einbinden. Der Verlag stellt die hierfür nötige technische Infrastruktur als Komplettlösung zur Verfügung, sodass der Aufwand für die Unternehmen gering ist. Sie können die Inhalte, anders als bei klassischen RSS-Feeds, nach Bedarf automatisch veröffentlichen oder manuell selektieren. Abgerechnet wird pro lizensiertem Artikel oder gelesener Rubrik.

Distributionswege Verlage

Das Besondere an diesem Konzept ist, dass der Content parallel über zwei Wege vertrieben wird: im eigenen Shop und über den genannten B2B-Marktplatz für digitalen Content. So können Verlage die Reichweite ihrer Inhalte zusätzlich vergrößern.

Fazit

Erfolgreiche Beispiele zeigen, dass es sich für Verlage lohnen kann, den Content-Vertrieb konsequent in die eigene Hand zu nehmen und ihre Inhalte unter eigenem Namen statt über fremde Kanäle zu vermarkten.

Quellen und weitere Infos:

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